Lara und die Insider
Kurzinhalt
Um ihre Eltern zu versöhnen, stürzt sich die zwölfjährige LARA in ein äußerst gewagtes Abenteuer: Es beginnt im nahe gelegenen Wald mit einer scheinbar harmlosen Mutprobe und führt zu einem Kampf zwischen Leben und Tod. Schauplatz ist Laras phantastisches inneres Universum. Und schuld an allem sind die INSIDER, diese zerstrittenen Seelenwesen in Laras Innenwelt, mit ihrer entmutigten Königin Egira, dem frechen Burschen Mandi, der überkritischen Schenny, dem intriganten Kranzack und einem Verräter, der den schlimmsten Feinden Tür und Tor öffnet . Bald hängt Laras Leben nur mehr an einem silbernen Faden .
Über das Buch
LARA UND DIE INSIDER erzählt eine alltägliche Geschichte und ist dennoch ein ganz außergewöhnlicher Jugendroman. Der Grund dafür ist der besondere Blick, tief hinein in LARAS Gedanken und Gefühlswelten, wo sich ihr schwaches ICH, mehr oder weniger erfolgreich, gegen eine Vielzahl anderer Teilpersönlichkeiten – den INSIDERN – durchzusetzen versucht. LARA UND DIE INSIDER ist also keine Geschichte, die den üblichen Jugendbuchtrends folgt. Da kämpfen keine Zauberlehrlinge gegen die Kräfte der Finsternis und nette Mädchen können nicht von Geburt an hexen, um die bösen Mächte zu vertreiben. LARAS Kämpfe spielen sich in ihrem inneren Universum ab und dort ist das „BÖSE“ nicht a priori vorhanden. Hier kann mitverfolgt werden, wie ein Dämon entsteht; wie ein vorerst harmloser, kleiner INSIDER durch Kränkungen genährt wird und wie er durch Tatenlosigkeit, Feigheit und Schweigen zu lebensbedrohender Stärke heranwächst. Die Geschichte, die sich daraus entspinnt, ist weit mehr als ein spannendes Fantasy-Abenteuer, denn sie ist gleichzeitig so real, dass sie gar nicht mehr unter die Haut zu gehen braucht, weil sie sich bereits genau dort abspielt. Darüber hinaus behandelt LARA UND DIE INSIDER mit viel Phantasie, Humor und auch kindlicher Verspieltheit eine Vielzahl wichtiger Lebensthemen, die junge LeserInnen zum Nachdenken und Diskutieren anregen werden. Es geht in diesem Buch um Selbsterkenntnis, um die Liebe, das Leben und den Tod.
Kurzbiographie Kitty Kino
Kitty Kino wurde in Wien geboren und absolvierte die Wiener Filmakademie. Sie ist freiberufliche Regisseurin und Drehbuchautorin. Mit ihren Filmen (u. a. Karambolage, Die Nachtmeerfahrt, Wahre Liebe, Das Geständnis, Aktion C+M+B) hat sie an internationalen Festivals teilgenommen und Auszeichnungen erhalten. LARA UND DIE INSIDER ist ihr erster Roman.
Interview mit Kitty Kino
Wie entstand die Idee zu LARA UND DIE INSIDER?
Durch Selbstbeobachtung. In meinem Kopf quatschen ständig ziemlich viele Gedankenstimmen durcheinander. Wenn zum Beispiel meine Antreiber-Stimme sagt, dies oder das muss erledigt werden, meldet sich sofort eine zögerliche Gegenstimme, die minutiös alle Schwierigkeiten aufzählt, was wiederum den inneren Kritiker auf den Plan ruft usw. … also Dauerstreit im Gehirn. Aus solchen Beobachtungen ist dann die Idee entstanden, diese Stimmen und Stimmungen zu personifizieren; also Phantasiewesen zu erschaffen, die in einem inneren Universum, vorwiegend in der Kommandozentrale im Kopf, ihre Kämpfe ausfechten.
Warum haben Sie das Buch für Jugendliche und nicht für Erwachsene geschrieben?
Es ist mir bald klar geworden, dass diese phantastische innere Welt und ihre seltsamen Wesen, die ich INSIDER nenne, ganz besonders Kinder bzw. junge Jugendliche ansprechen würden. In dem Alter ist man einfach aufgeschlossener für derartige Gedankenexperimente. Außerdem hat sich der Zugang zu meinem eigenen inneren Kind wie von selbst geöffnet und ich konnte mich sehr gut mit LARA und ihren INSIDERN identifizieren. Und schließlich habe ich auch noch eine Nichte im passenden Alter, die mir jede Menge Feedback gegeben hat.
Die Geschichte hat sich also sehr organisch entwickelt und die Charaktere haben sich geradezu persönlich bei mir vorgestellt: „Ich bin Zimperl, der kleine Angsthasenfrosch.“ Oder: „Kranzack ist mein Name, ich fresse dicke, fette Kränkungsbrocken und ich bin ganz sicher kein komischer Vogel.“
War der Umstieg vom Drehbuch- zum Buchschreiben also einfach?
Anfangs ja. Da bin ich mir beinahe wie ein Medium vorgekommen, das nur aufnimmt, was bereits in der Luft liegt. Die erste Fassung war also relativ schnell fertig. Viel, viel mehr Arbeit machte mir dann das Ausfeilen des Textes, die möglichst einfache und doch bildhafte Sprache, der unverschnörkelte Stil, ein zügiger Rhythmus. Dabei musste ich jedes Wort dreimal umdrehen – Uff! Schließlich ist LARA UND DIE INSIDER ja mein erstes Buch. Und dafür, dass ich mir noch vor kurzem so einen umfangreichen Prosatext überhaupt nicht zugetraut hätte, bin ich jetzt sehr zufrieden.
Wieso erscheint die Geschichte als Buch und nicht als Film?
LARA UND DIE INSIDER soll natürlich verfilmt werden. Aber Computeranimation in dem hier benötigten Ausmaß ist unvorstellbar teuer. Und selbst wenn die Finanzierung schon stehen würde, bis zum fertigen Produkt würde es trotzdem noch Jahre dauern. So lange wollte ich nicht warten und daher musste ich einen Weg finden, um meine Phantasie zu befreien. Beim Film, vor allem bei unseren Minibudgets, muss man dauernd Kompromisse machen. Ich habe das ja zur Genüge erlebt. Und das beginnt nicht erst beim Drehen, sondern schon beim Drehbuchschreiben. Da läuft bereits eine Selbstzensur im Hirn nach dem Motto: „Dieser Spezialeffekt wird zu teuer, so viele Komparsen können wir uns nicht leisten usw.“
Der Phantasie freien Lauf zu lassen und sich nicht sofort selbst zu beschränken, das ist ein herrliches Gefühl. Im Kopf ist der Film also schon fertig. Und ich hoffe nicht nur in meinem, sondern auch in dem der LeserInnen.
Was wünschen Sie sich für Ihr Buch?
Ich wünsche mir, dass die ersten Anzeichen eines Erfolges und damit die Möglichkeit, die Zielgruppe zu erreichen, nicht trügen. Immerhin sind wir schon auf Platz 9 der Bestsellerliste Kinderbuch im Sortimenterbrief – und das noch ganz ohne die Werbetrommel gerührt zu haben! Auch die Testphase lief bereits sehr positiv. Zwei 12jährige Testleserinnen haben sogar schon das Manuskript von LARA für ihr Deutschreferat gewählt. Die Geschichte bietet ja eine sehr gute Diskussionsgrundlage: Sie kann sowohl für die Entwicklung von psychologischen und sogar philosophischen Gedanken und Einsichten als auch zur Selbsterkenntnis dienen. Natürlich wollte ich auch ein unterhaltendes und spannendes Buch schreiben, aber eben auch eines mit Tiefgang, eines zum Nachdenken. Gerade junge Menschen sind oft sehr ernsthaft an den wichtigen Lebensthemen interessiert. Sie sind noch bereit, Fragen zu stellen, während viele Erwachsene aufgehört haben zu fragen, weil sie aufgehört haben, sich über die Wunder des Lebens ständig aufs Neue zu wundern.
Welche wichtigen Fragen werden in LARA angesprochen?
Am wichtigsten ist natürlich die Frage nach den individuellen INSIDERN – wer wohnt bei mir im Kopf oder irgendwo sonst im Körper? Da können Insider auftauchen, die denen von Lara ähnlich sind, es könnten aber auch ganz andere innere Wesen zum Vorschein kommen. Man muss nur die Stimmen in seiner Kommandozentrale belauschen und den Gefühlen in diversen Körperregionen nachspüren: Wer lässt die Knie weich werden oder die Hand zittern? Wer sagt Dinge, die man später bereut, und wer schnürt einem den Hals zu, wenn man gerade lautstark protestieren will?
Genauso wie ich Laras Insidern Namen gegeben und sie skizziert habe, könnten die jungen Leser-Innen ihre eigenen Insider beschreiben, zeichnen oder sogar vorspielen. Ein Spaß mit Selbsterkenntnispotential!
Wenn wir unseren INSIDERN also auf die Schliche kommen – wenn wir sie uns bewusst machen und uns nicht mehr mit ihnen identifizieren – dann kommt unser einzigartiges Wesen, unser wahres ICH mehr und mehr zum Vorschein und wir haben unser Leben mit Sicherheit besser im Griff und können klügere und mutigere Entscheidungen treffen.
Weitere Fragen betreffen die Ziele, die man sich steckt, welche Insider einen daran hindern, sie zu erreichen; wie einem die Insider beim Knüpfen von sozialen Kontakten helfen oder im Weg stehen, woher Angst und Mut kommen, welches Selbstbild man hat und welche Vorbilder oder Trugbilder einem das Leben schwer machen; wem man vertraut; wie man Aufmerksamkeit erregt und zu welchem Preis; was Symbole bedeuten; wie die Angst vor dem Tod und der Glaube zusammenhängen; was Familiengeheimnisse bewirken können; wie man sich seiner Geschlechterrolle bewusst wird, sie annimmt oder ablehnt und welche neue Lebensformen es heutzutage gibt.
Zu all diesen Themenkreisen habe ich einen Fragenkatalog erstellt, der zu Diskussionen anregen kann und soll. Diese 12 Gedankenspielanleitungen, von mir „Pop-ups“ genannt, sind (in Kürze) auf der Webseite des Verlags abrufbar.
Aber ich hoffe auch, so oft wie nur möglich, selbst mit jungen Leuten diskutieren zu können. Mich interessiert brennend, was da an Antworten und neuen Fragen zu mir zurückkommen wird und welche neuen INSIDER ich dadurch kennen lernen werde.
Wie geht es weiter? Was sind die nächsten Pläne?
Natürlich ist das wichtigste Abenteuer der nächsten Monate das Buch zu promoten und Leseterminen nachzukommen. Daneben werde ich mich um die Verfilmung und auch um eine Theaterfassung kümmern.
Ein zweites Buch, ein Pendant mit einem Jungen als Hauptperson, ist auch schon angedacht. Es wird aber noch eine Weile dauern, bis ich dafür wieder die Zeit finde.
Abschließend möchte ich sagen, dass LARA UND DIE INSIDER für mich persönlich bis jetzt meine wichtigste und beste Arbeit ist. Ein Buch für Kinder, für Eltern, für Lehrer, für Leser im Allgemeinen; mit einem Wort: ein Buch für Leute von 9 – 90.
Kitty Kino zum Thema Teilpersönlichkeiten
AUCH DU BIST NICHT ALLEINE IN DIR SELBST!
Nicht nur Schizophrene sind „gespaltene“ Persönlichkeiten, die von mehr als einem ICH beherrscht werden, auch die meisten so genannten „Normalmenschen“ leiden unter den Widersprüchen in ihrer Gefühls- und Gedankenwelt.
Schon Goethe schrieb: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“, und man kennt Freuds Es – Ich – Überich - Theorie und C.G. Jungs Seelenaspekte Anima und Animus. Es ist also keine Neuigkeit, dass die menschliche Psyche aus einer Vielzahl von Ichs, Selbsten oder Energiemustern besteht. Das Konzept der INSIDER ist nur eine weitere Möglichkeit, sich mit Teilpersönlichkeiten auseinander zu setzen.
In der Psychologie gibt es verschiedene Ansätze, mit diesen Erfahrungen zu operieren. Besonders interessant scheint mir die von Hal und Sidra Stone entwickelte Voice-Dialogue-Methode: In den Sitzungen versucht der Begleiter mit den Teilpersönlichkeiten seines Klienten direkten Kontakt aufzunehmen. Dabei bekommen diese eigene Plätze im Raum zugewiesen und führen bei der Befragung ein richtiggehendes Eigenleben. Meist kommt auf diese Weise zuerst einmal ein Beschützer/Bewacher, ein innerer Kritiker, ein Antreiber oder ein Perfektionist zu Wort. Schwieriger ist es, ungeliebte Selbste zum Sprechen zu bringen, wie das verletzliche oder das gekränkte Kind,
die erotischen, triebhaften Selbste, die Ärger-, Aggressions- und Angststimmen. Aber gerade die am stärksten verdrängten Energiemuster müssen aufgespürt und integriert werden, da sie sonst zerstörerische Kräfte entwickeln können.
Und was hier vielleicht nach einer egoistischen Nabelschau aussieht, hat neben der eigenen Ganzwerdung auch eine sehr positive Wirkung nach außen: Denn wer lernt, alle seine Teilpersönlichkeiten – auch die unsympathischen oder gar die abstoßenden, verwerflichen – anzunehmen, dem fällt es viel leichter, alle Mitmenschen mit ihren verschiedensten, nicht immer positiven Eigenschaften zu akzeptieren und zu respektieren.
Biographie
Kitty Kino ist eine echte Wienerin. Der Vater war Statiker, die Mutter früher Mannequin, jetzt Hausfrau. Kitty Kinos Leben verlief in einigen Extremen und ist gekennzeichnet von Widersprüchen, die wohl aus einer gewissen Vielseitigkeit resultieren. Nach einer wegen schwerer Legasthenie desaströsen Volksschulerfahrung, mutierte sie in der Mittelschule bald zur Vorzugsschülerin. Der Wunsch, Atomphysik zu studieren, wurde von der Familie, wegen eines einschlägigen großelterlichen Betriebes, in den Besuch des TGMs – einer Wiener Bundesgewerbeschule, Abteilung für Elektrotechnik, umgelenkt. Während der Schulzeit war K.K. eines von 10 Mädchen unter 1500 Burschen und maturierte mit „gutem Erfolg“. Die Berufsausübung als Ingenieur währte jedoch nur zwei Jahre, denn dann ergab sich die Gelegenheit, ins Filmgeschäft hinein zu schnuppern. Als Darstellerin in zwei humorvoll-erotischen Filmen des renommierten deutschen Nachkriegsregisseurs Rolf Thiele (u. a.: „Das Mädchen Rosmarie“ mit Nadja Tiller, „Die Halbzarte“ mit Romy Schneider) entdeckte Kitty Kino, dass ihr richtiger Platz nicht vor, sondern hinter der Kamera war.
Ein Studium an der Wiener Filmakademie – heute Universität für Musik und darstellende Kunst – war die logische Konsequenz (Diplom in Regie und Schnitt). Nach einigen Lehrjahren beim ORF, in denen K.K. dutzende Magazinbeiträge gestaltete, trat das Filmförderungsgesetz in Kraft und K.K. konnte als erste Regisseurin diese neue Gelegenheit, einen Kinospielfilm auf die Beine zu stellen, nutzen.
Der Film „Karambolage“ wurde bei der Berlinale uraufgeführt und war nicht nur in Österreich, sondern auch in den deutschen Programmkinos ein Sensationserfolg. Weitere Kino- und Fernsehfilme folgten mit Festivalbeteiligungen weltweit. Dazwischen konnte K.K. ihre avantgardistische Seite bei einigen Theaterarbeiten ausleben. Ein großes Anliegen ist K.K. stets die Arbeit mit Kindern – zum Beispiel beim steirischen Herbst / Jugendmusikfest Deutschlandsberg und dem sehr erfolgreichen TV-Film „Aktion C+M+B“.
Ihr letzter Film (2006) war ein Dokumentarfilm über den Philosophen Arnold Keyserling, danach entstand das Buch LARA UND DIE INSIDER.
Kitty Kino lebt seit ca. zehn Jahren teilweise in Griechenland. Sie hat am Peloponnes eine kleine Wohnung gemietet, wo es sich mit Blick aufs Meer und kühler Brise sehr angenehm leben und schreiben lässt.
Die zukünftigen Projekte: Neben der Auswertung von LARA UND DIE INSIDER sind bereits zwei weitere Bücher angedacht und neuerdings beginnt auch der – seit der Filmakademie eher vernachlässigte – Bereich künstlerische Photographie wieder einen größeren Stellenwert einzunehmen.
1. Ausstellung: Mani-Artists 2008 / Kardamili
Mehr unter: www.kittykino.com
G&G Verlagsportrait
Der G&G Verlag wurde 1998 von Georg Glöckler gegründet. In der Zwischenzeit umfasst der Verlag über 750 lieferbare Titel für Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 16 Jahren. Zu den Autoren zählen u. a. Felix Mitterer, Franz Sales Sklenitzka, Evelyne Stein-Fischer, Jutta Treiber, Lene Mayer-Skumanz, Christine Rettl, Gabriele Rittig, Karin Ammerer, Stefan Karch und Martin Selle.
Neben den Schwerpunkten Leseförderung, Leseanimation sowie Trainingskonzepte zum sinnerfassenden Lesen gliedert sich das Programm wie folgt: Bilderbücher & Vorlesebücher, Erstlesebücher (G&G Lesezug), Kinderbücher & Buchserien, Märchen & Reprints, Jugendbücher, Lernhilfen, Ratgeber,
Fachbücher und Sachbücher.
G&G Verlagsgesellschaft mbH
Tel. 0043/1/494 96 99-0, Fax 0043/1/494 96 99-420
Feedback
Ein abgefahren cooles Buch. Ich wollte kein bisschen lesen. Aber durch dieses Buch habe ich gemerkt, dass lesen Spaß macht.
Elif (12)
Genial! Man lernt in sich selbst hineinzuschauen.
Wessly (14)
. ein aufwühlendes . höchst dramatisches . mutmachendes . auch witziges … auf jeden Fall ein tolles Buch.
Ein Buchhändler
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Umschlag: Martin Weinknecht
Illustration: Martin Weinknecht nach Skizzen von Kitty Kino
Visuals zur Lesung: Martin Kolbert
Fotos Buchpräsentation: Andreas Klinger